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St. Peter, Schönthal und die Reformation: Wie sich der Glaube im Waldenburgertal wandelte

von | 20. Sep. 2026 | Land & Leute

Mit ihrem weissen Turm gehört die Kirche St. Peter zwischen Niederdorf und Oberdorf zu den vertrauten Bildern des Waldenburgertals.

Die Waldenburgerbahn fährt unmittelbar an ihr vorbei, dahinter steigen Wiesen und Wald den Hang hinauf. Was man dem friedlichen Ort heute kaum ansieht: Hier lag während Jahrhunderten eines der wichtigsten kirchlichen Zentren des Tales. Seine Geschichte reicht mehr als tausend Jahre zurück.

Bereits im Jahr 835 wird in Onoldswil eine Kirche erwähnt. So hiess damals das Gebiet, aus dem später Oberdorf und Niederdorf hervorgingen. Die Kirche gehörte zu jener Zeit dem elsässischen Kloster Murbach. Der Name St. Peter taucht in den erhaltenen Quellen erst 1476 auf.

Für die Menschen im oberen Frenkental war die Kirche über Jahrhunderte ein fester Bezugspunkt. Ihr Kirchspiel reichte weit über das heutige Oberdorf hinaus. Hölstein, Lampenberg und Langenbruck gehörten im ausgehenden Mittelalter dazu, zeitweise auch Arboldswil. Ebenso war Liedertswil kirchlich mit Onoldswil verbunden.

Hier wurden Kinder getauft, Paare getraut und Verstorbene bestattet. An Sonn- und Feiertagen kamen die Menschen aus den umliegenden Siedlungen zum Gottesdienst. St. Peter war damit weit mehr als die Kirche eines einzelnen Dorfes.

Onoldswil und der Bergsturz von 1295

Der Name Onoldswil begegnet schon früh in den Quellen. In der Urkunde von 835 erscheint die Siedlung als «Honoltesvillare». Oberdorf und Niederdorf existierten damals noch nicht als selbstständige Gemeinden, doch ein oberer und ein unterer Siedlungsbereich zeichneten sich bereits ab.

1295 veränderte ein Bergsturz am Dielenberg die Gegend einschneidend. Die Rutschmassen stauten die Frenke, Wasser trat über die Ufer und erreichte auch die Kirche. Wie gross die Schäden im damaligen Onoldswil genau waren, lässt sich heute nicht mehr lückenlos feststellen.

Der Bergsturz beeinflusste jedoch die weitere Entwicklung der Siedlung. Der obere und der untere Teil gewannen an Eigenständigkeit. Daraus entstanden nach und nach Oberdorf und Niederdorf. St. Peter blieb zwischen den beiden Dörfern bestehen.

Die Erinnerung an das Ereignis lebt bis heute weiter. Im Oberdörfer Gemeindewappen verweist der Petrusschlüssel auf den Kirchenpatron. Die schräge Teilung des Wappens erinnert an den Bergsturz von 1295.

Schönthal und die Kirche von Onoldswil

Wer im Mittelalter Einfluss auf eine Kirche hatte, verfügte zugleich über Rechte, Einkünfte und gesellschaftliches Gewicht. Glaube, Besitz und Herrschaft waren eng miteinander verbunden.

Im Waldenburgertal spielte dabei das Kloster Schönthal bei Langenbruck eine wichtige Rolle. Die Grafen von Frohburg gründeten es um 1140; 1145 wird die Stiftung erstmals erwähnt. Die Frohburger beherrschten damals weite Teile der Region und kontrollierten wichtige Wege über den Jura.

1236 erhielt das Kloster Schönthal das Patronatsrecht über die Kirche von Onoldswil. Damit konnte es auf die Besetzung der Pfarrstelle Einfluss nehmen und bezog Einkünfte, die mit der Pfarrei verbunden waren.

Auch Schönthal selbst erlebte im Lauf der Jahrhunderte mehrere Veränderungen. Zunächst lebten dort Benediktinermönche, später auch Benediktinerinnen. Im 13. Jahrhundert verschwand der Männerkonvent. 1415 übernahmen Serviten das Kloster. Unter ihnen erlebte Schönthal nochmals eine Blütezeit. Vor allem in Pestzeiten kamen zahlreiche Wallfahrer dorthin.

Für die Bevölkerung des Tales gehörten solche kirchlichen Strukturen selbstverständlich zum Alltag. Pfarrer, Klöster, Grundherren und weltliche Obrigkeiten waren Teil derselben Ordnung.

1525 erreicht der Aufruhr das Waldenburgertal

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts geriet diese Ordnung ins Wanken. Die Kritik an der katholischen Kirche nahm zu. Gleichzeitig verschärften sich soziale Konflikte. Bauern wehrten sich gegen Abgaben, Abhängigkeiten und alte Herrschaftsrechte.

1525 erreichten die Unruhen auch Schönthal. Aufständische Bauern drangen in das Kloster ein und richteten schwere Schäden an.

Vier Jahre später folgte der kirchliche Umbruch.

In Basel hatte die reformatorische Bewegung immer mehr Anhänger gewonnen. Im Februar 1529 setzte sich die Reformation in der Stadt durch. Der Basler Rat führte die neue Kirchenordnung anschliessend auch in seinen ländlichen Herrschaftsgebieten ein. Davon war das Waldenburgertal unmittelbar betroffen.

Der Gottesdienst verändert sich

Für die Menschen im Tal änderte sich nun vieles, was über Generationen zum kirchlichen Leben gehört hatte.

Die katholische Messe verschwand. Im reformierten Gottesdienst erhielt die Predigt ein deutlich grösseres Gewicht. Gepredigt wurde in deutscher Sprache. Altäre, Heiligenbilder und andere Elemente der bisherigen Glaubenspraxis wurden aus vielen Kirchen entfernt.

Auch die Klöster verloren ihre bisherige Funktion. In Schönthal endete das klösterliche Leben. Die Anlage kam unter Basler Verwaltung und wurde später dem Basler Spital zugeordnet. Gebäude und Land blieben bestehen, doch ihre Aufgabe hatte sich grundlegend verändert.

In St. Peter gingen die Gottesdienste weiter. Die Bevölkerung kam weiterhin zur Kirche, liess ihre Kinder taufen, schloss Ehen und bestattete ihre Verstorbenen auf dem Friedhof.

Der äussere Ablauf des Lebens blieb in vielem vertraut. In der Kirche selbst hatte sich jedoch eine neue Ordnung durchgesetzt. Die Bedeutung der Heiligen nahm ab, Wallfahrten verloren ihren Platz im kirchlichen Leben, und die Predigt wurde zum Mittelpunkt des Gottesdienstes. Auch die Zuständigkeiten verschoben sich: Basel bestimmte nun wesentlich stärker, wie Kirche auf der Landschaft organisiert wurde.

Eine reformierte Landschaft

Die Reformation prägte das Waldenburgertal über Jahrhunderte. Der reformierte Glaube wurde zu einem festen Bestandteil der regionalen Geschichte. Das zeigte sich auch in den Kirchenräumen. Sie wurden schlichter, Kanzel und Predigt erhielten einen hervorgehobenen Platz.

St. Peter und Schönthal erzählen bis heute von den beiden Epochen.

Die Kirche zwischen Oberdorf und Niederdorf steht für die alte Pfarrei von Onoldswil und für ein kirchliches Zentrum, das weit über die beiden heutigen Dörfer hinausreichte. Schöntal erinnert an die Zeit der Klöster, an die Frohburger, an Wallfahrten und an die enge Verbindung von Kirche, Besitz und Herrschaft.

Die Reformation von 1529 setzte eine deutliche Zäsur. Die Gebäude blieben, doch ihre Bedeutung wandelte sich.

Mehr als tausend Jahre Talgeschichte

Heute fährt die Waldenburgerbahn unmittelbar an St. Peter vorbei. Für viele Menschen im Tal gehört der weisse Kirchturm ganz selbstverständlich zur Strecke zwischen Niederdorf und Oberdorf.

Wer genauer hinsieht, begegnet hier einem ungewöhnlich alten Stück Regionalgeschichte.

Seit mehr als tausend Jahren kommen Menschen an diesen Ort. Sie brachten ihre Kinder zur Taufe, heirateten hier, nahmen Abschied von Angehörigen und suchten im Gottesdienst Halt. Generationen erlebten an derselben Stelle Zeiten des Wohlstands, Krankheiten, politische Umbrüche und religiöse Veränderungen.

Auch der Bergsturz von 1295, der Einfluss des Klosters Schönthal und die Reformation haben ihre Spuren hinterlassen.

St. Peter steht heute noch dort, wo sich über Jahrhunderte das kirchliche Leben des oberen Waldenburgertals bündelte. Gerade deshalb lohnt sich beim Vorbeifahren ein zweiter Blick. Hinter dem vertrauten weissen Turm steckt ein gutes Stück Geschichte des Tales.

Foto, mit künstlicher Intelligenz erstellt.